Doris Rüstig-Ladewig  
Verve expressive

Text: Lena Catharina Schneider, 2017

Charakteristisch für ihr Werk ist eine kraftvolle, impulsive Pinselführung, deren malerische Energie sich dem Betrachter unmittelbar mitteilt. Es ist die Dominanz des Malaktes und die hervortretende ausdrucksstarke Identität der Farben, die augenblicklich erkennen lassen, dass die Schöpferin dieser expressiven, gestisch schwungvoll-lebendigen Bilder schon seit langem ihre Form gefunden hat und mit jeder einzelnen Arbeit ein unverrückbares Statement setzt.

Die kraftvollen Arbeiten der 1926 in Berlin geborenen Künstlerin beschäftigen sich zu einem großen Teil inhaltlich mit dem Thema Bewegung und Dynamik des Menschen. Das Material, Öl, Acryl, Kohle, Aquarell auf Leinwand und Papier, zelebriert die Vitalität ihres Lebens: energetisch, exzessiv, kompromisslos.

Seit ihrem 14. Lebensjahr ist Doris Rüstig-Ladewig der Malerei aufs tiefste verbunden. Vorbilder wie Max Ernst, Jean Dubuffet oder die Künstlergruppe CoBrA inspirierten sie und eröffneten ihr bereits zu Jugendzeiten den Blick auf die Welt der Malerei und Plastik und brachten sie dazu, sich immerwährend mit dem Menschen, seinem Lieben, seinen Ängsten, seinen Schwächen malerisch auseinander zu setzen. Die notwendige Technik erarbeitete sie sich während ihres Studiums der freien Malerei zunächst an der Hochschule für Angewandte Kunst und anschließend an der Hochschule der Künste in Berlin bei dem Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff.

Es ist nicht der Mensch in seiner Einzelheit, sondern vielmehr seine Interaktion mit dem Gegenüber, die sich in vielen Bildern der Künstlerin widerfindet. Da wären zum Beispiel Sunny Girl und Der Gehörnte, die in kühn geschwungenen Linien, gleichsam auf das Papier geworfen wirken; oder Die Silvesternacht in bebendem Rot, abgeklärtem Blau und energischem Gelb, deren Bildsprache dem Archetypus Mensch auf den Zahn fühlt:

Und so könnte man ihre Malerei im wahrsten Sinne des Wortes als Menschenkunst bezeichnen.

 

Über Doris Rüstig-Ladewig

Text: Dr. Imke Lüders, 2016

– geboren 1926 Berlin – lebt und arbeitet in Norderbrarup.

Das Werk von Doris Rüstig-Ladewig ist vielgestaltig – und doch erkennt man immer wieder ihre „Handschrift“. Mensch und Landschaft sind zentrale Themen in ihrem Œuvre, Portraits, Akte, Landschaft und Kultur – die mexikanische. Doch auch Tierwelten – oft fantastische – sind nicht selten in ihrem Werk. Bei allem bleibt das figürlich-gegenständliche nahezu durchgehend erhalten.

Sie liebt/lebt Farbe und Körperlichkeit. Ihre Werke sind bunt, kontrastreich und „leben“. Dies wirkt sich auch auf ihre Akte aus, die sie in unzähligen Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen fertigte – und die oft innerhalb weniger Minuten entstanden und entstehen. Sie experimentiert mit zahllosen Werkstoffen, nicht nur zwei- sondern auch dreidimensional. Ihren Garten zieren ihre Skulpturen, überall stehen und liegen bemalte Steine, Ziegel aus Materialmix mit Sand, Styropor mit Klebstoffen und Farbe; Schmuck und Objekte aus Ton und/oder Glas – es gibt vielleicht Manches, mit dem sie nicht gearbeitet hat, aber das muss man suchen ... Ihre Werke sind in vielen nationalen und internationalen Sammlungen vertreten.
Doris Rüstig-Ladewig ging nicht leicht durchs Leben, sie erlebte noch den Krieg und die Nachkriegszeit sehr bewusst – sie war es gewohnt, mit Entbehrungen und Mangel zu leben – was ihrer Kreativität nicht schadete, im Gegenteil! Sie ist eine aufrechte, große, schlanke, wissbegierige und klar strukturiert denkende Frau, die auch im hohen Alter nichts umhaut. Das Malen – die Kunst ist Lebenszweck und -Aufgabe.

Rüstig-Ladewig wurde geprägt durch zwei Lehrer: Karl Schmidt-Rottluff (1884 Chemnitz - 1976 Berlin) lehrte sie den Gebrauch der Farbe und Prof. Peter Müller schulte sie 17 Jahre vor allem in der Aktmalerei.

Kurz nachdem sie 2000 nach Schleswig-Holstein zog, gründete sie in Schleswig ihre eigene Kunststiftung, um die Menschen hier für die Kunst zu sensibilisieren und ihnen ihr Wissen weiter zu geben. Und seit sie hier ist, hat sie nicht nur Ausstellungen und Seminare in ihrer Stiftung realisiert, sondern ist auch mit 90 Jahren noch nicht am Ende ihres Weges angelangt.

Danke, Doris!

 

1926
Geboren in Berlin

1941 - 1944
Textil- und Modeschule Berlin
Modegrafik

1946 - 1948
Kunsthochschule Berlin-Weißensee
Grundstudium Malerei

1948 - 1953
HdK Berlin
Freie Malerei
Prof. Schmidt-Rottluff

ab 1953
Arbeit als Modegrafikerin

ab 1977
Wiederaufnahme der freien Malerei

1983 - 2000
Kontinuierliche Mitarbeit in der Aktklasse
Prof. Müller, HdK

ab 1990
Zweitwohnsitz in Schleswig-Holstein

1996
Mitglied im BBK

2000
Umzug nach Schleswig-Holstein

2003
Gründung der DRL-Stiftung

2004
Kulturpreis der Stadt Schleswig

2012 - heute
Ausstellungen in Schleswig, Kiel und Arnsberg

Malerei fängt im Kopf an und hört im Bauch auf.
— Doris Rüstig-Ladewig